Back sumikai.com Japan Liefert Mutmassliches Mitglied Der Ransomware Gruppe Qilin An Deutschland Aus 381349
Japan hat einen mutmaßlichen führenden Angehörigen der internationalen Hackergruppe Qilin an Deutschland ausgeliefert. Der 28 Jahre alte russische Staatsbürger war bereits im Mai in Osaka festgenommen worden. Deutsche Behörden ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts, ein Unternehmen mit einem Ransomware-Angriff erpresst zu haben.
Japanische Ermittler übergaben den Mann am 2. Oktober an die deutschen Behörden. Zuvor hatte das Obergericht Tokyo seine Auslieferung genehmigt. Japan und Deutschland haben kein bilaterales Auslieferungsabkommen. Eine Übergabe ist nach japanischem Recht trotzdem möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind und der andere Staat Gegenseitigkeit zusichert.
Deutsches Unternehmen soll Lösegeld gezahlt haben
Der 28-Jährige soll im September 2024 in das Netzwerk eines Logistikunternehmens in Deutschland eingedrungen sein. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen wurden Daten des Unternehmens gestohlen und anschließend verschlüsselt. Danach soll Lösegeld verlangt worden sein. Das Unternehmen zahlte demnach Kryptowährungen im Gegenwert von rund 165.000 US-Dollar, damit die gestohlenen Daten nicht veröffentlicht werden. Gegen den Mann wird wegen Erpressung ermittelt.
Die japanischen Behörden nahmen ihn im Mai in Osaka fest. Grundlage war das japanische Gesetz über die Auslieferung flüchtiger Straftäter. Anschließend prüfte das Obergericht Tokyo, ob die Voraussetzungen für eine Übergabe an Deutschland erfüllt waren, und genehmigte die Auslieferung.
Solche Auslieferungen aus Japan sind eher selten. Zwischen 2015 und 2024 übergab das Land insgesamt elf flüchtige Straftäter an andere Staaten. 2019 waren es fünf Personen, 2018 zwei sowie 2015, 2017, 2021 und 2024 jeweils eine. In den Jahren 2016, 2020, 2022 und 2023 gab es keine Auslieferung. Japan unterhält bilaterale Auslieferungsabkommen lediglich mit den USA und Südkorea. Auch ohne ein solches Abkommen können Verdächtige an andere Staaten übergeben werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Qilin arbeitet mit anderen Cyberkriminellen zusammen
Der 28-Jährige soll zu den wichtigen Mitgliedern von Qilin gehören. Die Hackergruppe ist seit etwa 2022 aktiv und arbeitet nach dem sogenannten Ransomware-as-a-Service-Modell. Dabei stellen die Betreiber Schadsoftware und die technische Infrastruktur bereit, die andere Cyberkriminelle für Angriffe nutzen können. Die Einnahmen aus Lösegeldzahlungen werden anschließend zwischen den Beteiligten geteilt. Bei Ransomware-Angriffen werden Daten auf Computern oder Servern verschlüsselt, sodass Unternehmen oder andere Betroffene nicht mehr darauf zugreifen können. Häufig stehlen die Angreifer zuvor zusätzlich Daten und drohen mit deren Veröffentlichung, falls kein Lösegeld gezahlt wird.
Qilin entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer der aktivsten Ransomware-Gruppen. Das Sicherheitsunternehmen Trend Micro registrierte 2025 insgesamt 1.262 Unternehmen und Organisationen, die auf den beobachteten Veröffentlichungsseiten der Gruppe auftauchten. 2024 waren es 92 gewesen. Die Zahlen zeigen nicht sämtliche tatsächlichen Angriffe, sondern Fälle, die über solche Seiten bekannt wurden. Nach Angaben des japanischen Sicherheitsunternehmens Mitsui Bussan Secure Directions beanspruchte Qilin allein zwischen Oktober 2025 und September 2026 bei rund 1.500 Cyberangriffen die Verantwortung. Ob die Gruppe tatsächlich für jeden dieser Fälle verantwortlich war, lässt sich aus ihren eigenen Angaben allein nicht feststellen.
Angriff auf Asahi legte Geschäftsabläufe lahm
Auch in Japan tauchte Qilin bereits nach einem großen Ransomware-Angriff auf. Am 29. September 2025 wurde Asahi Group Holdings angegriffen. Die Gruppe bekannte sich anschließend zu der Attacke. Der Angriff hatte erhebliche Folgen für den Getränkekonzern. Asahi musste in Japan unter anderem Bestell- und Versandvorgänge sowie seine Callcenter vorübergehend einstellen. Spätere Untersuchungen ergaben, dass die Angreifer bereits etwa zehn Tage vor dem eigentlichen Ausfall in das Netzwerk eingedrungen waren.
Nach Angaben des Unternehmens verschafften sie sich über eine Schwachstelle bei einem Passwort Administratorrechte. Am 29. September wurden anschließend mehrere Server und Computer verschlüsselt. Asahi weitete seine Angaben über möglicherweise betroffene personenbezogene Daten im Juli 2026 noch einmal aus. Zu diesem Zeitpunkt ging das Unternehmen davon aus, dass Daten von rund 1,525 Millionen Kundenkontakten, etwa 378.000 Geschäftspartnern und deren Mitarbeitern, rund 107.000 Beschäftigten und ehemaligen Beschäftigten sowie etwa 162.000 Familienangehörigen betroffen sein könnten.
Für personenbezogene Daten auf den Servern des Rechenzentrums hatte Asahi allerdings keine tatsächliche Übertragung nach außen festgestellt. Qilin beanspruchte den Angriff für sich. Hinweise darauf, dass der jetzt an Deutschland ausgelieferte 28-Jährige persönlich an der Attacke auf Asahi beteiligt war, liegen nicht vor.
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